Öcher Frönnde     22. November 2017
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Der Aachener Tauschring: Oecher Talente e.V.
www.oecher-talente.de

Oecher Talente und Öcher Frönnde
Konkurrenz oder Ergänzung?
von Prof. Hans-Jürgen Harborth

Seit 1995 bin ich (Gründungs-)Mitglied des Aachener Tauschrings Oecher Talente e.V. , seit kurzem bin ich auch dem neu gegründeten Verein Öcher Frönnde e.V. beigetreten. Macht diese Doppelmitgliedschaft Sinn? Überschneiden sich nicht beide Aktivitäten, machen sie sich nicht gegenseitig Konkurrenz? Ich bin nicht dieser Meinung. Nach meiner Einschätzung ergänzen sie sich, und diese Ansicht möchte ich kurz begründen.

Zunächst einmal: Beide Organisationen sind Selbsthilfe-Einrichtungen. Sie sind Reaktionen auf verschiedene gesellschaftliche Fehlentwicklungen, wie etwa Geldmangel, Arbeitslosigkeit, die Nicht-Verfügbarkeit dringend benötigter Hilfs- und Dienstleistungen, gesellschaftliche Isolation. Beide Einrichtungen sind nach dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung organisiert, unterscheiden sich also von karitativen oder ausschließlich von Ehrenamtlichen getragenen Einrichtungen. Im Tauschring werden (meist) Dienstleistungen erbracht und mit Klümpchen (2 Kl. = 1 €), also mit einer selbst geschaffenen Kunstwährung bezahlt, indem sie dem Leistungserbringer auf einem Klümpchen-Konto gutgeschrieben werden. Damit der Tauschring, der ja ein Ringtausch-System ist, störungsfrei funktioniert, wird erwartet, dass der Klümpchen-Besitzer sein Guthaben bald wieder ausgibt – für die Leistungen anderer Mitglieder. Das Anhäufen von Klümpchenguthaben be- und verhindert die Beschäftigung anderer Tauschring-Mitglieder, wird als Sand im Getriebe des Tauschkreislaufs angesehen und als Verstoß gegen die Spielregeln des Tauschrings kritisiert.

Hier liegt der entscheidende Unterschied zu dem neu gegründeten Verein der Öcher Frönnde. Zwar werden auch hier Hilfs- und Dienstleistungen erbracht, und sie werden auch mit einer Kunstwährung vergütet, nämlich mit Zeitgutschriften. Aber diese Gutschriften werden nicht zeitnah wieder ausgegeben (wie beim Tauschring), sondern sie werden gesammelt, gehortet, angehäuft – sozusagen als Notgroschen für krankheits- oder altersbedingte Problemlagen. Es ist also durchaus denkbar – und völlig nachvollziehbar, wenn ein Mensch, der in beiden Vereinen tätig ist, sich seine Hilfe zum Einkaufen einmal in Klümpchen vergüten lässt, ein andermal für die gleiche Einkaufshilfe sich aber Zeitpunkte gutschreiben lässt. Die Motivation zur Leistungserbringung wäre jeweils unterschiedlich gewesen. Im ersten Fall wollte er Klümpchen haben, um sie bald, sagen wir, für Biofleisch oder für einen Haarschnitt wieder ausgeben zu können. Im zweiten Fall aber wollte er etwas auf die hohe Kante legen, nämlich Zeitgutschriften statt Klümpchen.

Ist nun der zweite Fall eben nicht doch eine unerwünschte Konkurrenz zum Tauschring? Es könnte so scheinen, und hierüber ist schon erbittert gestritten worden. Sehen wir uns den Fall einmal näher an, und stellen wir uns vor, es gäbe nach wie vor nur den Tauschring, aber (noch) keine Öcher Frönnde. Das für den zweiten Fall geltende Motiv, die Entlohnung für die Einkaufshilfe nicht bald wieder auszugeben, sondern aufzuheben und anderen Ersparnissen für später hinzuzufügen, hätte im Tauschring keine Realisierungschance gehabt, denn bei einer stetigen Erhöhung seines Klümpchenkontos wäre er abgemahnt und zur baldigen Verausgabung seines Guthabens gedrängt worden. Wahrscheinlich hätte er die Einkaufshilfe, deren Erlös er auf die hohe Kante legen wollte, erst gar nicht geleistet oder – und da sind wir bei einem prekären Problem auch unseres Tauschrings – er hätte die Arbeit trotzdem getan und hätte sich dafür wohl oder übel Klümpchen gutschreiben lassen. Und zwar ohne daran zu denken, diese zusätzlichen Klümpchen auch bald wieder auszugeben. Eine ganze Reihe von Tauschringmitgliedern, die über ein sehr gut gefülltes Klümpchenkonto verfügen, die sich aber schwer tun, ihre Schätze in Form von Nachfrage in den Ringtausch-Kreislauf wieder einzuspeisen, könnten zu dieser zweiten Kategorie gehören. Was folgt daraus? Im ersten Fall (der Nichtleistung wegen fehlender Motivation) hätte der Tauschring weder Vor- noch Nachteil gehabt, im zweiten Fall hätte die Leistung (aus falscher Motivation) zum Anwachsen des nicht ausgegebenen Klümpchen-Horts geführt und hätte insoweit dem Tauschring geschadet. In Zukunft werden Neumitglieder sich, je nach Motivation, entweder für den Tauschring oder für die Öcher Frönnde entscheiden oder – warum nicht? – für beide. Hier sollte auch erwähnt werden, dass Menschen, denen es hauptsächlich um soziale Kontakte geht, diese in beiden Organisationen suchen und finden können.

Nun sind Tauschring und Öcher Frönnde in einem zeitlichen Abstand von fast zehn Jahren entstanden. Und es könnte durchaus sein, dass es „reiche“ Klümpchenbesitzer gibt, die eigentlich lieber Zeitgutschriften gehabt hätten, wenn es denn die Möglichkeit dazu gegeben hätte. Seitdem ist eine Diskussion entstanden, ob man nicht die gehorteten Klümpchen gegen Zeitgutschriften zu einem bestimmten Kurs tauschen könnte. Als einzige Möglichkeit, einen solchen Tausch ohne abenteuerliche und willkürliche Verbuchungstricks zu bewerkstelligen, sehe ich die folgende Konstellation: Von zwei Kontrahenten, die sowohl Mitglieder des Tauschrings als auch der Öcher Frönnde sind, muß der eine bereit sein, seine Klümpchen gegen Zeitgutschriften abzugeben. Der andere muß bereit sein, seine Zeitgutschriften (wenn er denn welche hat) gegen Klümpchen abzugeben. Der Umtauschkurs wäre Verhandlungssache.

Alles in allem meine ich sagen zu können, dass sich der Aachener Tauschring Oecher Talente und die Nachbarschaftshilfe Öcher Frönnde ergänzen.

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